Was ist eigentlich "Green Producing"?
12. April 2022
Frankas Mann arbeitet als freier Produktionsleiter in der Filmbranche. Er wird bei seiner Arbeit oft von einem Green Consultant beraten. Dadurch sind wir auf das Thema „Green Producing“ und „Green Shooting“ aufmerksam geworden. Branchenvertreter haben ökologische Mindeststandards für Kino-, TV- und Online-/Video-on-Demand-Produktionen erarbeitet, die sich auf nonfiktionale und fiktionale Medien-Produktionen beziehen. Mit einer Umstellung auf eine umwelt- und ressourcenschonendere Herstellungsweise können nämlich ordentlich CO2-Emissionen vermieden werden. Dabei gelten diese Standards für alle Produktionsphasen, von der Pre- bis zur Postproduction.
Noch keine Zertifizierung
Da wir von AV22 uns in diesem Bereich gerne weiterentwickeln möchten, haben wir mal geschaut, wie grün wir eigentlich sind. Spoiler: Für eine Zertifizierung nach den oben genannten Mindeststandards reicht es noch nicht, aber wir sind schon ganz gut unterwegs.
Die drei wesentlichen Gründe, warum es noch nicht für eine Zertifizierung reicht, sind, dass wir keinen externen Green Consultant beschäftigen und auch keinen Mitarbeiter haben, der als Green Consultant ausgebildet wurde. Weiterhin erfassen wir weder im Vorfeld noch im Nachgang von Filmproduktionen die geplanten CO2-Emissionen. Außerdem erstellen wir keinen entsprechenden Abschlussbericht und legen Rechenschaft ab. Noch nicht…
Wie sieht es aber mit den anderen Vorgaben aus?
Ökostrom
Wir verwenden in unseren Räumlichkeiten in der Alten Tuchfabrik in Euskirchen zertifizierten Ökostrom. Inwiefern bei temporär genutzten Räumlichkeiten zertifizierter Ökostrom genutzt wird, wissen wir nicht. Wir werden diese Soll-Vorgabe in Zukunft immer mal wieder erfragen, um uns selbst ein Bild zu machen.
Generatoren
Wann immer möglich soll Strom über einen Netzanschluss und nicht über Generatoren bezogen werden. In unserem Büro, bei Außendrehs und Vor-Ort-Produktionen nutzen wir keine Generatoren, sondern beziehen unseren Strom übers Stromnetz.
Aufladbare Akkus
Einwegbatterien dürfen während der gesamten Produktion nicht genutzt werden. Stattdessen müssen wiederaufladbare Akkus zum Einsatz kommen, die möglichst recycelbar sind. Eine Ausnahme stellen lediglich In-Ear-Pieces dar. Haken dran! Auch die Einwegbatterien in unseren Fernbedienungen haben wir soeben ausgetauscht.
Licht
Die Beleuchtung im Studio oder vor Ort bedingt immer wieder einen hohen Stromverbrauch und damit auch entsprechende Treibhausgasemissionen. Daher sollen lediglich LED-Scheinwerfer oder andere Lichtquellen mit vergleichbarem Wirkungsgrad verwendet werden. Bei AV22 nutzen wir ausschließlich LED-Scheinwerfer, auch bei On-Location-Drehs, wenn wir für das Licht zuständig sind.
Reisen und Transportmittel
Grundsätzlich ist die Reduzierung von Mobilität anzustreben. Die Bahn, der öffentliche Personennahverkehr, Fahrräder und E-Bikes sollen genutzt werden, wo immer dies möglich ist. Inlands- und Auslandsflüge sind nicht gestattet, wenn die entsprechende Bahnfahrt weniger als fünf Stunden dauern würde. Diesbezüglich können wir festhalten, dass wir Flugreisen für unsere Arbeit gar nicht in Anspruch nehmen. Wir sind sehr gut vernetzt und haben freie Mitarbeiter in ganz Deutschland und auch darüber hinaus. Findet ein Dreh sehr weit weg von Euskirchen statt, stellen wir ein Team zusammen, das in der Nähe der Produktion beheimatet ist.
Was die Nutzung von PKWs und Minibussen angeht, ist noch Luft nach oben. Wir verfügen über drei Firmenfahrzeuge, die Plug-in-Hybride sind und soweit wie möglich im E-Modus genutzt werden. Lediglich unser Minibus ist ein Diesel-Fahrzeug, der aber die Norm Diesel EURO6 erfüllt. Franka und Johanna arbeiten öfters mal im Home Office, was zumindest die Fahrten ins Büro reduziert.
Unterbringung
Fremd-Übernachtungen verursachen hohe Treibhausgasemissionen. In diesem Punkt können wir sagen, dass wir so gut wie gar nicht in Hotels übernachten. Finden Produktionen an einem Ort statt, die eine Übernachtung unsererseits erfordern, versuchen wir nach Möglichkeit freie Mitarbeiter einzusetzen, die in der Nähe der Produktion wohnen. In Zukunft werden wir beim Buchen von Hotelübernachtungen aber darauf achten, dass es sich um Hotels mit „ausgewiesenen Umweltmaßnahmen“ handelt.
Verpflegung
Der Punkt Verpflegung und Catering ist für unsere Produktionen eher irrelevant. Wir selbst organisieren keine Caterings. Wenn wir beim Kunden drehen, nehmen wir uns entweder etwas zu essen mit oder kommen selbst in den Genuss eines Caterings. Wir werden mal darauf achten, inwiefern das Essen aus regionaler Herkunft stammt, ob Bio-Lebensmittel verwendet werden, der Konsum von Fleisch möglichst gering ist, ob Einweggeschirr genutzt wird und Lebensmittel verschwendet werden.
Papier
Wir wussten gar nicht, dass Deutschland europa- und weltweit den höchsten Papierverbrauch pro Kopf hat. Bei AV22 verzichten wir schon lange auf den Einsatz von Papier-Unterlagen zugunsten einer digitalen Nutzung. Luft nach oben gibt es bei uns, wenn doch Papier eingesetzt wird (also zum Beispiel Toilettenpapier, Küchenpapier oder Briefumschläge). Merker an uns alle, die einkaufen gehen: Lasst uns vermehrt die Produkte aus Recycling-Papier kaufen!
Materialien
Hier ist es wichtig, Materialien mehrfach zu verwenden und auf schädliche Inhaltsstoffe zu verzichten. Bei AV22 sind wir ziemlich gut dabei. Ein Großteil unseres Equipments ist gebraucht. Zu Beginn der Corona-Pandemie haben viele Veranstaltungstechniker ihre Videotechnik verkauft. Diese haben wir dann gebraucht erworben.
Gerade sind wir dabei, unser eigenes Studio einzurichten. Erst kürzlich nutzte Franka ihre Kontakte, um gebrauchte Möbel und Materialien von einer anderen Filmproduktion hierfür wiederzuverwenden. Auch bei der weiteren Einrichtung unseres Studios wollen wir darauf achten, ob wir Second-Hand-Materialien nutzen können.
Kostüme
Da wir im nonfiktionalen Bereich unterwegs sind, spielen Kostüme bei uns keine Rolle. Die Protagonisten vor der Kamera verwenden ihre eigene Kleidung.
Plastik
Einmalig verwendbares Plastik soll vermieden werden und es sollen Make-Up-Produkte ohne Mikroplastik zum Einsatz kommen. Wir werden unsere Maskenbildnerinnen auf Dreh demnächst mal fragen, ob sie Make-Up-Produkte ohne Mikroplastik verwenden.
Mülltrennung
Privat machen wir das akribisch. Wir trennen, wo wir nur können. In unserem Büro sind wir auf die Mülltrennungsvorgaben unseres Vermieters angewiesen. Wir werden zu dem Thema zu gegebener Zeit Kontakt aufnehmen.
Spannend, spannend, spannend!
Es ist spannend zu sehen, was das Thema „Green Producing“ alles umfasst. Dies war nur eine erste Annäherung an das Thema. Wir werden uns weiter damit beschäftigen. Teil 2 dieses Blog-Beitrags wird folgen. Und wer weiß, vielleicht können wir dann schon eine Zertifizierung vermelden.
Grüne Grüße
Euer AV22-Team