Über das Preisdrücken in der Filmbranche

6. Februar 2019

Vor fast zehn Jahren hat der ehemalige Kameramann Stefan Nowak auf einer ver.di-Veranstaltung über die Arbeitsbedingungen von Kameraleuten in der Film- und Fernsehbranche gesprochen. Seine 20-minütige Rede mutet an wie eine Tragikomödie. Spricht man mit freischaffenden Kameraleuten – und das tun wir als Filmagentur täglich – so hat sich an der Situation heute, fast zehn Jahre später, nicht viel geändert. Manch einer behauptet, es sei sogar noch viel schlimmer geworden.

Mitarbeiter und Kunden sind uns gleich wichtig

Als Filmagentur stehen wir seit 2008, so lange gibt es unsere Filmproduktionsfirma schon, regelrecht zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite wollen wir unseren Kunden faire Preise bieten, auf der anderen Seite wollen wir unsere Mitarbeiter fair bezahlen. Beide Seiten sind uns gleich wichtig. Ohne eine faire Behandlung und Bezahlung unserer Mitarbeiter bekommen wir keine gute Leistung für unsere Kunden und ohne Kunden, die einen fairen Preis bezahlen, können wir unsere Mitarbeiter nicht fair bezahlen.

Wir machen keine "Mondpreise"

Leider ist es auch in unserem Unternehmen so, dass Kunden versuchen, unsere Preise zu „drücken“. Und wir können Euch sagen: Wir machen keine Mondpreise, also willkürlich angesetzte überhöhte Preise, die beliebig reduziert werden können. Wir zahlen unseren freien Mitarbeitern die marktüblichen Preise, die sie fordern, und würden uns schämen, ihren Preis zu drücken.

Denn wir wollen die besten Leute, damit unsere Kunden den besten Film bekommen. Und die besten Leute sind eben ihren Preis wert. Liefern wir unseren Kunden nur mittelmäßige Filme, werden sie bald nicht mehr unsere Kunden sein und das nützt letztlich niemandem etwas.

Sind kreative Leistungen weniger wert als andere Dienstleistungen?

Woher kommt es, dass kreative Leistungen gefühlt weniger wert sind als andere Dienstleistungen? Es würde doch auch – hoffentlich – niemand auf die Idee kommen, die Preise beim Friseur oder der Autowerkstatt in Frage zu stellen. So nach dem Motto: „Sie können froh sein, dass Sie meine Haare schneiden oder mein Auto reparieren dürfen.“ „Wenn Sie es gut machen, empfehle ich Sie weiter.“ In der Filmbranche ist das aber leider so.

Oder Filmschaffende haben schon Sätze gehört wie „Du kannst froh sein, dass Du hier arbeiten darfst“ oder „So etwas Tolles würdest Du sonst gar nicht erleben“ oder „Da hast Du etwas ganz Besonderes für Dein Portfolio, das Du zeigen kannst“. Tja, mag sein. Nur ist es so, dass sich ein Vermieter oder die Rentenkasse nicht wirklich für ein Portfolio mit tollen Drehs interessiert, oder?

Wir wollen es besser machen.

Eure av22 medien Filmagentur aus Euskirchen